Der Hobbit - Die Schlacht der Fünf Heere


Kinostart: 10. Dezember 2014 | Kinostart Neuseeland: 11. Dezember 2014


Viggo Mortensen gehörte zu den wichtigsten Hauptdarstellern der "Herr der Ringe"-Trilogie. Die Fantasy-Filme haben ihn nicht nur zu einem der gefragtesten Schauspieler gemacht, sondern auch zu einem der meistbeachteten. Dennoch geht er mit der Entwicklung der Filmreihe, inklusive dem "Hobbit", hart ins Gericht. Anfang des Jahres warf er Regisseur Peter Jackson in einem Interview mit der englischen Zeitung "The Telegraph" vor, dass dieser die Subtilität zugunsten von Computereffekten opfert. Dies sei ab dem zweiten Teil schon beim "Herrn der Ringe" so gewesen und zeige sich beim "Hobbit" noch einmal mit "zehnfacher Verstärkung".

Nach der Betrachtung des dritten "Hobbit"-Teils dürfte sich Mortensen dazu gezwungen sehen, diese Aussage revidieren und sie auf "fünfzigfach" zu erhöhen. Während bei den ersten beiden Teilen der "Herr der Ringe"-Vorgeschichte bereits viel Computertechnik zum Einsatz kam - etwa durch den Verzicht auf Masken und Schminke bei den Orks, die stattdessen komplett am PC erschaffen wurden - wirkt der dritte Teil "Die Schlacht der Fünf Heere" fast schon wie ein Pixar-Animationsfilm - nur in hochwertiger. Während im "Herrn der Ringe" noch viele Kulissen, wie etwa die Stadt Edoras aufwendig nachgebaut wurden, scheint es nun kaum noch richtige Kulissen zu geben. Wie bereits bei den "Star Wars"-Prequels geht dadurch zunehmend die dichte Atmosphäre verloren. Dennoch weiß "Die Schlacht der Fünf Heere" zumindest kurzweilig zu unterhalten und übertrumpft damit zumindest den mittelmäßige Vorgänger "Smaugs Einöde".

Doch noch einmal von vorne: Der zweite Teil ließ uns bei den Zwergen am Einsamen Berg zurück, die gerade ihre alte Heimat vom Feuerdrachen Samug zurückerobert hatten. Doch der unter dem Berg liegende Reichtum zieht die anderen Völker Mittelerdes an wie ein Magnet: Menschen, Elben, Orks und Zwerge lassen daher vor dem Berg ihre Heere aufmarschieren. Doch den Anführer der Zwergenexpedition, Thorin Eichenschild (Richard Armitage), hat das viele Gold scheinbar in den Wahnsinn getrieben. Er verbarikadiert sich - ohne Aussicht auf langfristigen Erfolg - unter dem Berg. Doch dieser Patt hält natürlich nicht lange an und es kommt tatsächlich zur Schlacht.

Soweit folgt Jackson noch relativ detailliert der Buchvorlage von J.R.R. Tolkien. Da der Meisterautor selbst die Schlacht jedoch nicht detailliert beschrieben hat (Hobbit Bilbo bekommt im Buch einen Schlag auf den Kopf und wacht erst nach der Schlacht wieder auf), kann sich Jackson danach vollkommen austoben. Und dies macht er auch. Er zeigt dabei einmal mehr, dass der Elb Legolas (Orlando Bloom) wohl sein absoluter Lieblingscharakter ist. Der Sohn des Fürsten Thranduil darf unzählige "Superhelden-Nummern" abziehen, die an jene Szene erinnern, in der er in "Die Rückkehr des Königs" einen ganzen Olifanten im Alleingang zur Strecke bringt. Doch während dieser Kampf seinerzeit noch ein nettes Detail dargestellt hat, verliert sich Jackson in der Schlacht viel zu sehr in Szenen dieser Art, denen man dazu noch ihren CGI-Ursprung deutlich ansieht. Dadurch schwächt er den eigentlich gut entwickelten Spannungsbogen immer wieder ab.

Bei der Erzählung der Geschichte der Schlacht orientiert sich Jackson an anderen großen Schlachtengemälden wie Oliver Stones "Alexander". Der oftmalige Wechsel in die Vogelperspektive, die an diesen Film angelehnt ist, trägt dazu bei, dass sich in "Die Schlacht der Fünf Heere" ein besseres Gefühl für das Terrain und die Schlachtordnung ergibt, als noch in "Die Rückkehr des Königs". Trotz dieser angenehmen Erzählweise tragen die gut 144-Minuten-andauernden Kämpfe dazu bei, dass der Blick irgendwann zwangläufig zur Uhr wandert. Jackson hat dies offenbar vorausgesehen und versucht diesem Problem mit einer erdachten Liebesgeschichte zwischen der Elbin Tauriel und dem Zwerg Kili beizukommen. Der Versuch scheitert jedoch. Statt das Publikum anzurühren, ergibt sich ein undurchsichtiger Gefühlsbrei, der darüber hinaus noch der eigentlich viel dramatischeren Entwicklung um Thorin Eichenschild Erzählzeit nimmt. Eventuell hätte mit einer guten Filmmusik hier noch einiges gerettet werden können, doch Komponist Howard Shore hatte die "Hobbit"-Trilogie schon längst aufgegeben, und komponierte schon beim zweiten Teil nicht mehr die komplette Musik, sondern gab nur noch die Melodien vor und überließ die orchestrale Ausarbeitung anderen.

All dies trägt dazu bei, dass auch "Der Hobbit - Die Schlacht der Fünf Heere" nicht an den "Herrn der Ringe" heranreicht. Zwar weiß der dritte Teil kurzfristig zu unterhalten, doch insgesamt hat sich Peter Jackson zu sehr vom Blockbusterkino der letzten Jahre mitreißen lassen. Die erzählerische Brillanz und die dichte Atmosphäre vergangener Tage erreicht er dadurch nicht mehr. Womit wir wieder beim eingangs zitierten Viggo Mortensen und seiner Aussage der geopferten Subtilität wären...



Bewertung:  6.0
Author: owen13
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Erstellt am Sonntag, den 14. Dezember 2014